Was kostet eine Marktplatz-Agentur?
Die ehrliche Antwort ist „das hängt ab" — und das ist genau die Antwort, die niemandem hilft. Deshalb hier, wovon es abhängt, welche zwei Abrechnungsmodelle es überhaupt gibt und woran du erkennst, welches für dich das teurere ist.
Warum auf Agenturseiten keine Preise stehen
Wir haben uns im September 2026 die Seiten der bekannten Amazon-Agenturen im DACH-Raum angesehen. Das Ergebnis war einheitlich: keine einzige nennt einen Preis. Überall steht „individuelles Angebot", „auf Anfrage", „abhängig vom Umfang".
Dafür gibt es einen legitimen Grund und einen weniger legitimen. Der legitime: der Aufwand unterscheidet sich tatsächlich stark. Ein Konto mit 30 Artikeln auf einem Marktplatz und eines mit 3.000 Artikeln in sechs Ländern sind nicht dieselbe Arbeit. Der weniger legitime: wer keinen Preis nennt, kann ihn am Gesprächspartner ausrichten.
Was man stattdessen offenlegen kann, ist das Modell — also wonach abgerechnet wird. Das ist die Information, die du brauchst, um Angebote überhaupt vergleichen zu können.
Die zwei Modelle
1. Fixum plus Umsatzbeteiligung
Ein planbarer Grundbetrag für die laufende Arbeit, dazu ein Anteil am erwirtschafteten Umsatz. Das Fixum deckt Arbeit ab, die anfällt, bevor Umsatz entsteht: Konto-Einrichtung, Compliance-Nachweise, Listings, Content, Keyword-Recherche.
Passt, wenn viel Aufbauarbeit ansteht — neue Kanäle, neue Länder, Sortiment und Content von Grund auf. Ohne Fixum müsste eine Agentur diese Vorleistung aus der späteren Beteiligung zurückverdienen, und das macht sie entweder teurer oder vorsichtiger.
2. Nur Umsatzbeteiligung
Kein Grundbetrag. Die Agentur verdient ausschließlich an dem Umsatz, den sie erzeugt — und trägt damit einen Teil deines Risikos mit.
Passt, wenn der Account schon läuft und es um Wachstum geht, nicht um Aufbau. Der Reiz ist offensichtlich: du zahlst nichts, wenn nichts passiert. Der Haken ist es weniger — dazu gleich.
Woran du merkst, welches Modell für dich teurer ist
Reine Umsatzbeteiligung klingt immer günstiger, weil das Risiko beim Dienstleister liegt. Rechne trotzdem nach:
- Auf welchen Umsatz bezieht sich die Beteiligung? Auf den Zuwachs oder auf den gesamten Marktplatz-Umsatz? Der Unterschied ist gewaltig. Wer bereits 1 Mio. € macht, zahlt bei Gesamtumsatz-Beteiligung auch für Umsatz, den es ohne die Agentur auch gegeben hätte.
- Was passiert bei gutem Verlauf? Ein Prozentsatz, der bei 200.000 € fair wirkt, kann bei 2 Mio. € deutlich über dem liegen, was ein Fixum gekostet hätte. Erfolg macht das Beteiligungsmodell teurer — das ist der Sinn der Sache, aber man sollte es vorher ausgerechnet haben.
- Wer zahlt die Werbung? Wird das Werbebudget vom Umsatz abgezogen, bevor der Anteil berechnet wird? Wenn nicht, verdient die Agentur auch an Umsatz, den dein Budget gekauft hat.
Die Zahl, die mehr über den Preis sagt als der Preis
Die Mindestlaufzeit. Ein günstiges Angebot mit zwölf Monaten Bindung ist teurer als ein teureres, das monatlich kündbar ist — weil du im ersten Fall elf Monate weiterzahlst, nachdem du gemerkt hast, dass es nicht passt.
Wer am Ergebnis verdient, muss den Kunden nicht durch einen Vertrag halten. Eine lange Mindestlaufzeit ist deshalb weniger eine Preisfrage als eine Aussage darüber, wie sicher sich jemand ist.
Bei uns ist beides monatlich kündbar, ohne Mindestlaufzeit — und ohne kostenlosen Probemonat. Das ist kein Widerspruch: eine Zusammenarbeit, die mit vier Analysen beginnt, lässt sich nicht sinnvoll „antesten", und ein Testmonat, in dem niemand etwas riskiert, sagt über nichts etwas aus. Monatlich aufhören zu können ist derselbe Schutz, nur ohne die Show.
Was du ins Erstgespräch mitbringen solltest
Damit eine Zahl belastbar wird statt geraten, braucht jede Agentur dieselben drei Dinge:
- Zugang zu deinen Marktplatz-Konten — über die offiziellen Berechtigungsverfahren, nicht über dein Passwort.
- Deine aktuellen Zahlen: Umsätze je Kanal, Margen, Werbebudget. Roh genügt.
- Eure Unternehmensziele. Das wird am häufigsten vergessen und verändert am meisten — dieselbe Ausgangslage führt je nach Ziel zu einer völlig anderen Strategie.
Wer dir ohne diese Angaben einen Preis nennt, nennt dir einen Listenpreis. Der ist selten falsch, aber fast nie richtig.
Wie der Ablauf bei uns konkret aussieht — sechs Schritte, fünf davon vor der ersten Umsetzung — steht auf So läuft die Zusammenarbeit.
← Alle Beiträge