Otto oder Kaufland: Womit sollte man anfangen?
Wer nach Amazon einen zweiten Marktplatz aufmacht, steht fast immer vor diesen beiden. Die Frage „welcher ist besser?" hat keine Antwort — die Frage „welcher passt zu meinem Sortiment?" schon. Und sie lässt sich an drei Zahlen und einer Eigenschaft entscheiden.
Die Provision ist der erste Unterschied — und der berechenbare
Beide Marktplätze nehmen einen Anteil vom Verkaufspreis, und der unterscheidet sich deutlich. Zum Vergleich steht Amazon mit dabei:
| Marktplatz | Provision | Besonderheit |
|---|---|---|
| Kaufland.de | 7–12 % | offen für alle, schneller Start |
| Amazon | 8–15 % | größte Reichweite, größter Wettbewerb |
| Otto.de | 10–15 % | nur DACH-Unternehmen, Anbieterzahl je Kategorie begrenzt |
Bei einem Artikel für 40 € sind drei Prozentpunkte Unterschied 1,20 € je Verkauf. Das klingt wenig, bis man es mit der Marge vergleicht: liegt die bei 8 €, sind 1,20 € genau 15 % davon. Der Kanal entscheidet also nicht nur, ob du verkaufst, sondern wie viel davon bei dir bleibt.
Rechnen kannst du das selbst — der FBA-Kalkulator und Marktplatz-Vergleich läuft kostenlos im Browser, ohne Anmeldung.
Die Eigenschaft, die keine Zahl ist
Otto ist ausschließlich für Unternehmen aus der DACH-Region geöffnet und begrenzt die Anbieterzahl je Kategorie. Das ist der eigentliche Unterschied, und er wirkt in beide Richtungen.
Nach oben: wo weniger Anbieter stehen, kostet dieselbe Platzierung weniger. Du konkurrierst nicht mit zwanzig Händlern, die dasselbe Produkt fünf Cent billiger anbieten. Nach unten: der Zugang ist aufwendiger, und eine Kategorie, die voll ist, ist voll — dann nützt dir der Vorteil nichts, weil du ihn nicht bekommst.
Kaufland ist der Gegenentwurf: offen, schneller Start, günstigere Provision — und entsprechend mehr Wettbewerb über den Preis.
Die Faustregel
Preisgetriebene Sortimente zuerst zu Kaufland. Premium- und Markenprodukte zuerst zu Otto.
Der Grund ist nicht Geschmack, sondern die Kundschaft. Wer auf Amazon hauptsächlich über den Preis verkauft, findet auf Kaufland dieselbe Mechanik bei niedrigerer Provision — das ist ein direkter Margengewinn ohne neue Arbeit am Produkt. Wer dagegen über Marke, Beratung oder Qualität verkauft, verliert diesen Vorteil auf einem preisgetriebenen Kanal und gewinnt ihn auf einem, dessen Kundschaft danach sucht.
Wenn du unsicher bist, welcher Fall bei dir vorliegt: sieh dir an, was auf Amazon passiert, wenn du den Preis um 5 % erhöhst. Bricht der Absatz ein, bist du preisgetrieben. Passiert wenig, hast du eine Marke.
Der Fehler, der beide Kanäle kostet
Das Listing von Amazon kopieren. Es ist verlockend — die Texte sind fertig, die Bilder auch —, und es funktioniert trotzdem nicht:
- Andere Kategoriebäume und Attribute. Jeder Marktplatz sortiert anders. Ein Produkt in der falschen Kategorie wird nicht schlecht gefunden, sondern gar nicht.
- Andere Suchbegriffe. Menschen suchen auf Otto anders als auf Amazon. Wer die Amazon-Keywords mitkopiert, rankt auf Begriffe, die dort kaum jemand eingibt.
- Andere Bildregeln. Was auf dem einen Kanal erlaubt ist, wird auf dem anderen abgelehnt — und eine Ablehnung kostet Tage.
Das ist der Punkt, an dem die meisten zweiten Kanäle scheitern: nicht an der Entscheidung, sondern daran, dass der Start als Nebenbei-Aufgabe läuft.
Und wenn beides?
Dann nacheinander. Technisch spricht nichts gegen zwei gleichzeitige Starts, praktisch schon: ein Start bindet auf deiner Seite Aufmerksamkeit — Bestand, Preisfreigaben, Rückfragen zur Compliance. Zwei gleichzeitig erzeugen dieselben Fehler zweimal, statt sie einmal zu lernen. Was beim ersten Start gelernt wurde — Keywords, Bilder, Preisgrenzen, Werbebudget — macht den zweiten deutlich schneller.
Kurz
- Kaufland bei preisgetriebenen Sortimenten: niedrigere Provision, schnellerer Start.
- Otto bei Marken- und Premium-Produkten: weniger Wettbewerber je Kategorie, dafür aufwendigerer Zugang.
- Nie kopieren. Jeder Kanal bekommt eigene Listings, sonst rankt keiner.
- Einer nach dem anderen. Der zweite Start ist immer schneller als der erste.
Mehr dazu, wie ein Kanal-Start bei uns abläuft, steht auf Multi-Marktplatz & Internationalisierung.
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